Streichholzpyramide

22. Juli 2010 at 10:09 (Gedanken, Leben, Zitate)


Guten Morgen,

heute gibt es mal wieder ein literarisches Zitat, gerade erst auf dem Weg zur Arbeit gelesen, extra für euch abgetippt. Und so wahr.

Ich weiß, manchmal ist es besser, so zu bleiben, in seinem Innern und verschlossen. Denn ein Blick kann genügen, und man gerät ins Schwanken, es muss nur jemand die Hand ausstrecken, und man spürt plötzlich, wie schwach man ist, wie verwundbar, und dann bricht alles zusammen wie eine Streichholzpyramide.

(Delphine de Vigan – No & ich, Seite 116/117)

Ich frage euch:
Wie viele Menschen lassen sich nicht von der Maskerade täuschen und trauen sich, wirklich die Person hinter der Fassade kennen zu lernen? Wie viele strecken ihre Hand aus, aus purer Neugier, und bekommen letztlich doch Angst vor dem, was sie entdecken (könnten)? Wie viele sind noch da, wenn man endlich den Mut hat, hinter die Maske blicken zu lassen?

Und wie viele werden da sein, wenn die Fassade schließlich einstürzt und man nackt, verängstigt und allein da steht?

7 Kommentare

  1. derb said,

    Guten Morgen, mir ja egal was wie wo DIE ANDEREN stehen weil von denen gibts genug , ich bleib mir treu und steh zu dem was ich sage.Hier darf Mensch nur die Person mit den Problemen nicht verwechseln. Neugierig auf Menschen sein , das war mal bei mir-schön ist es immer positiv überrascht zu werden-vor allem wenn man sich “verguckt“ hat. Also ich entscheide mich für Lieben und Leben anstatt hassen und es lassen,yeah! Probleme gehören erschossen,ganz gewaltfrei! ehm…

  2. Schattenkämpferin said,

    und wieder ein unqualifizierter Kommentar von dir. Manchmal würde ich dir gerne einen Knebel verpassen. Wenn du keine Ahnung hast, solltest du dich zurück halten. Und wenn du nicht verstehst, nicht verstehen kannst, nicht verstehen willst, dann erst recht. Wäre besser.

  3. Fin said,

    Die Hand, die sich ausstreckt, muss wirklich mutig sein. Nicht selten wird sie erst einmal vertrieben oder verletzt, auch wenn der Wunsch noch so groß ist, dass sie streichelt und auf die Beine hilft. Ist das wirklich der Wunsch der Hand und ist sie mutig und stark, dann wird die sich nicht abweisen lassen und es schaffen.
    Und auch wenn die Hand eine nicht so mutige Hand ist und vor Rückschlägen und Abweisung zurückschreckt, aber es immer wieder versucht, sich ein Herz fasst und es ehrlich meint wird sie die Person erreichen. Aber leider werden fast alle Hände weglaufen, denn sie haben Angst und werden noch schneller nackt und verängstigt sein, bevor sie dem Nackten und Verängstigten die Hand reichen könnten, denn sie sehen das als Schande. Und die, die sich nicht schämen, am Ende womöglich selbst nackt und verängstigt zu sein, beweisen, finde ich, den größten Mut. Wie viel kostet es, sich selbst, dem zu zeigen, dessen Angst man sehen kann. Und so sind beide zwar nackt, aber nicht mehr alleine und die Angst schwindet.
    Sie machen gemeinsam ein Feuer aus der Streichholzpyramide und wärmen sich.

    Meine spontanen Gedanken dazu. head up high! Hugs

  4. Schattenkämpferin said,

    Meine liebe Fin,

    gerade bin ich in einem Buch auf etwas gestoßen, das mich an deinen Kommentar hier und unser ausführliches Gespräch im ICQ erinnert hat:

    Manchmal wird man weggestoßen, wenn man die Hand ausstreckt, um jemandem zu helfen, denn jeder Mensch möchte sich lieber selbst helfen.

    Ist es nicht erschreckend, wie viele Menschen sich um die gleichen Dinge Gedanken machen, wie kurz hintereinander man auf solche Erkenntnisse stößt und wie fern man den anderen letztendlich trotzdem ist?

    Ich drück dich fest zurück.

  5. wolfschatten said,

    Die Frage ist auch: Wie viele Menschen wünschen sich eine solche Hand… Die ihnen entgegen gestreckt wird, DAMIT sie aus dem eventuellen Loch gezogen werden?
    Dennoch ist da immer die Angst, das jemand vielleicht ZU genau hinschaut, und das Innere erkennt. Erkennt, wie verletzlich, sensibel und ängstlich, und „klein und schwach“ man doch eigentlich ist. Nicht die starke und selbstbewußte Person ist, die man vorgibt zu sein…
    Und wenn man die Hand nimmt, es immer auch die Sache, wie weit man sich in die Karten schauen läßt. Denn jeder von uns weiß doch, wie sehr es weh tut, verletzt und enttäuscht zu werden. Die einen mehr, die anderen weniger. Und dann gibt es noch diejenigen, die immer verletzt werden… Oder zumindest meinen, das sie ständig verletzt werden. Und das nichts und niemand auf der Welt sie zu verstehen glaubt…

  6. Schattenkämpferin said,

    Und noch ein Zitat aus dem gleichen Buch, weil es überaus passend ist:

    Man sollte nicht versuchen, sich in den Lauf der Dinge einzumischen. Manchmal muss man es aushalten, dass man sich unbehaglich fühlt. Manchmal muss man vor anderen Menschen zeigen, dass man verletzlich ist. Manchmal ist das notwendig, denn nur so lernt man sich wieder ein Stück besser kennen.

    Das lasse ich mal so stehen. Wird wohl Zeit für einen neuen, eigenständigen Eintrag zu diesem Thema. Bei all den Gedanken, die dieses Buch und auch eure Kommentare dazu auslösen.

  7. Fin said,

    Die, die unsere Hand wirklich NEHMEN und HALTEN wollen, werden uns nicht verletzen. Und sie nehmen unsere Hand genau aus dem Grund, weil sie unser Inneres sehen und lieben wie es ist.
    Die Hand von jmd zu nehmen „ohne sich in die Karten schauen zu lassen“ @Wolfschatten ist überhaupt nicht möglich, das ist dann höchstens das Ausstrecken EINER Hand, die angenommen wird oder nicht. Und wird sie auch genommen, ist da nichts, was sie halten kann.
    Hände, die sich einander entgegenstrecken und sich berühren, halten sich immer gegenseitig. Und diese Hände, die sich gegenseitig so sicher halten, werden sich auch nicht mehr loslassen.

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