7 Sünden – Musiklesung in Rostock

25. März 2009 at 20:55 (Gedanken, Geschwafel, Konzerte & Co., Leben)


Knapp zweieinhalb Wochen danach komme ich jetzt endlich dazu, von meinem Wochenendtrip nach Rostock zu berichten. Ursprünglich nur wegen der am Freitagabend stattfindenden Musiklesung von und mit Dirk Zöllner zustande gekommen, stellte sich diese Fahrt im Nachhinein als sehr wichtig für mich heraus. Bevor ich darauf aber näher eingehe, möchte ich mich dem Hauptbestandteil dieses Posts widmen: der Kritik bzw. dem Bericht.
Die Frage, was man sich unter einer Musiklesung vorstellen kann, hat Dirk im Interview, das ich Ende letzten Jahres für Literatopia geführt habe, beantwortet. Den Link dazu findet ihr auf der Seite „der Schattenkämpferin Arbeit“ rechts im Menü.

Als Schauplatz für die Lesung hatte sich die Crew das Bogarts’ im Ursprung ausgesucht – welches ganz in der Nähe der Kirche liegt, in der mein „Fan-Dasein“ seinen Anfang nahm. Im April 2006 (es war der 20., ein Donnerstag, ich habe gerade noch mal in meinem alten Blog geschaut und in den Postings gekramt ^^) besuchte ich in der Nikolaikirche das erste Konzert des Clubs der toten Dichter, die damals mit ihrem Heine-Programm unterwegs waren. Die Vertonung von Heines „Buch der Lieder“ war ein gemeinsames Projekt von Dirk und Reinhardt „Max“ Repke, der heute mit neuer Besetzung die Werke eines anderen großen deutschen Dichters vertont und präsentiert. Besagtes Konzert begeisterte mich damals sehr und hatte großen Einfluss auf meine schreiberische Ader – hierzu solltet ihr vielleicht irgendwann mal in den Postings aus 2006 stöbern, wenn ich es endlich geschafft habe, sie aus dem alten Blog zu übertragen.

Aufmerksam wurde ich damals durch den Kontakt mit Matze, der seines Zeichens Drummer der Konstellation ist und den ich zufällig einige Tage vor dem Konzert über ein Portal im Netz kennen lernte. Zugegebenermaßen war er auch der Grund, warum ich überhaupt zum Konzert gegangen bin, weil ich schon ziemlich neugierig war, welcher Typ Mensch (und auch Mann *g*) sich hinter den Nachrichten verbarg, die wir rege austauschten. Wäre diese Neugier nicht gewesen (und hätte ich nicht eine nette Begleitung gehabt, die nach dem Konzert allerdings verschwand, während ich mit den Jungs noch was trinken gegangen bin – dazu dann aber mehr in den alten Postings, ich will das Thema nicht wieder komplett neu aufrollen – darum soll es in diesem Posting ja gar nicht gehen), hätte ich wahrscheinlich gar nichts von dieser Veranstaltung mitbekommen. Denn ehrlich, ich und Kultur, noch dazu in einer Kirche – das war damals weder verein- noch vorstellbar. Sowohl für mich selbst als auch für die Menschen in meinem Umfeld. Allerdings spielte auch die Bekanntschaft zu Sylke und Manfred hier eine große Rolle, ohne die ich zum Beispiel wohl auch Il Divo nicht kennen und lieben gelernt hätte. Doch das ist ein anderes Thema, das ich vielleicht irgendwann mal aufgreife, wenn ich meine Ausbildungszeit bei der OSPA aufarbeite ;)

Eine Reihe von Zufällen (oder Schicksalen) führte schließlich dazu, dass ich nahezu süchtig nach den Zöllner-Projekten war und versuchte, jede Veranstaltung im Dunstkreis Rostocks zu besuchen. Mit meiner Begeisterung (und dem Zwang, mich auf Konzerte zu begleiten) steckte ich irgendwann meinen besten Freund an. Was anfangs eine Schwärmerei für ein Bandmitglied war, entwickelte sich zu einer wirklichen Leidenschaft für die Musik und die Projekte Zöllners.
Als mein Plan, aus Rostock wegzugehen, mehr und mehr Gestalt annahm, verlor ich Dirks Projekte leider immer mehr aus den Augen, was schließlich in einem Nichts endete, als ich tatsächlich umzog und mich nicht mehr mit den Veranstaltungen in und um Rostock beschäftigte. Dazu kam das immer stärker werdende Faible für Metal in allen möglichen und unmöglichen Varianten – Zöllner rückte in den Hintergrund und verschwand schließlich aus meinem Focus.
Erst als ich mich intensiver mit der Mainpage von Literatopia befasste, stieß ich wieder auf Dirk – er war quasi mein Versuchskaninchen für das Führen von Interviews per Mail. So gesehen stellte er meine Fahrkarte ins Redaktionsteam dar – nochmals ein dickes Danke an dieser Stelle!

Während der Interviewvorbereitungen beschäftigte ich mich dann wieder ausführlicher mit Dirks Homepage, auf der ich natürlich auch über Konzert- und Lesungstermine stolperte. Dass es zum 7-Sünden-Projekt ein Buch gibt, wusste ich zu diesem Zeitpunkt schon, aber die Musiklesungstour war neu für mich. Durch ein noch in Rostock besuchtes Konzert dieses Projektes kannte ich die Musik bereits, deshalb zögerte ich nicht lange und gönnte mir von meinem Weihnachtsgeld die CD samt Buch. Zu diesem wird es noch eine Rezension auf Literatopia geben, sobald ich etwas mehr Luft und ein paar andere Dinge abgearbeitet habe. Außerdem plane ich für Ende April oder Anfang Mai ein Interview mit Denise, die ich auf bzw. nach der Lesung ebenfalls persönlich kennen lernen durfte und die das Roadmovie zur CD-Entstehung geschrieben hat.

Dass ich beim Stöbern auf Dirks Seite ausschließlich auf Konzerttermine in den neuen Bundesländern gestoßen bin, sollte niemanden großartig verwundern. Schließlich ist Dirk zwar seit über 20 Jahren im Musikgeschäft, aber als Ostrocker ist es schwer, in den alten Bundesländern Fuß zu fassen. An diesem Punkt arbeitet Dirk hart und steckt in Verhandlungen mit einigen Locations, allerdings gestaltet es sich recht schwierig, da der Name „Zöllner“ eben eher unbekannt ist.
Meine Chancen, dass die Crew sich nach Hamburg oder Umgebung verirren und hier in der Gegend eine Lesung geben würde, standen also relativ schlecht, neigten sich so gesehen gen Null. Der Entschluss, das Rostocker Konzert zu besuchen, war schnell gefasst. Ich lud mich für das Wochenende bei Sven ein und verband so das Wiedersehen mit einigen Freunden und Bekannten und den Besuch einer Zöllner-Veranstaltung, was schon lange überfällig war.
Dass das Wochenende auch persönliche Einsichten oder vielmehr Erkenntnisse mit sich bringen würde, war mir nicht klar. Ich dachte, alles wäre nahezu beim Alten … obwohl ich die Leute ohne Ausnahme über ein Jahr nicht gesehen und fast genauso lange auch nicht gesprochen hatte.

Da auf drei verschiedenen Seiten drei verschiedene Anfangszeiten genannt waren, fuhren wir schon zu 20:00 Uhr ins Bogart’s, wo bereits viele Besucher auf ihren Plätzen saßen und sich an ihren Getränken festhielten. Ich war froh, dass wir noch recht gute Plätze abbekommen hatten und guten Blick auf die Bühne hatten – immerhin habe ich extra die Schule ausfallen lassen, auch wenn es der letzte Freitag vor den zweiwöchigen Hamburger Frühlingsferien war.

Und es hat sich gelohnt! Für mich, die das Buch ja bereits kannte, war es natürlich ein ganz anderes Erlebnis als für Sven, der bis dato nicht mal die Musik kannte. Ich wusste, dass zwischen den beiden Autofahrten, die durch einen Titel unterbrochen waren, die ganze Entstehungsgeschichte der Texte fehlte – für Sven hingegen schien es eine Fahrt zu sein, auch wenn er mich anschließend fragte, ob da nicht irgendwas dazwischen lag. Großartig waren die emotionalen Ausuferungen und die Improvisation zwischen den Liedern. Besonders toll fand ich die Darbietung des letzten Songs, bei dem Denise einen Gesangspart übernahm. Gut ausgewählt die vorgelesenen Teile und dazu wunderbar passend die Titel, auch wenn ich fand, dass für die Entstehung der CD wichtige Passagen ausgelassen wurden. Das dürfte aber für Laien – also für diejenigen, die das Buch nicht kennen – nicht weiter aufgefallen sein. Und dann natürlich die Stimmen Dirks und Gensis – ein einmaliges Zusammenspiel und jedes Mal aufs Neue ein Gänsehaut-Erlebnis.
Im Anschluss an die Lesung gab es noch eine Session mit HanseSoul. Konnte sich ebenfalls sehen bzw. hören lassen, wenn auch diese Darbietungen ziemlich im Schatten der sehr gelungenen Lesung standen. Während der gesamten Zeit hat Dirk mit dem Publikum gearbeitet, es in Songs einbezogen – ein besonderes Highlight war die Projektion einiger Bilder und die Vorstellung des Videos zu „Rot“ via Beamer auf eine Leinwand, die neben der Bühne hing.

Nachdem die Scheinwerfer dann aus waren, konnte ich mich noch kurz mit den Protagonisten unterhalten. Die Herzlichkeit, mit der Gensi und Dirk ihren „Fans“ gegenübertreten, hat mir in den letzten anderthalb bis zwei Jahren gefehlt. Und auch Denise ist eine unheimlich sympathische Frau, mit der ich einige Zeit zusammen gesessen und mich über die Lesung, das Buch und weiteres unterhalten habe. Von allen dreien erhielt ich interessante Infos zu anstehenden Projekten, weiteren Band-Mitgliedern und auch persönlichen Dingen. So erfuhr ich von Gensi, dass er und Dirk ein weiteres Buch planen und sich schon in Gesprächen mit diversen Verlagen befinden. Im Mai ist wohl Stichtag, ich bin wirklich gespannt. Dirk erzählte mir, dass Matze im Sommer heiraten wird, und mit Denise sprach ich über weitere Lesungstermine. Sie war meiner Kritik gegenüber sehr aufgeschlossen und freute sich über mein Interesse am Buch und die Interviewanfrage – ich meinerseits freute mich über die Zusage und die Signierung meines Exemplars des Buches.
In den Gesprächen stellte ich fest, dass ich mehr und mehr in die Rolle der Redakteurin wachse und dass ich unheimlichen Spaß an dieser Arbeit habe, auch im direkten und persönlichen Kontakt. Sven meinte, als Gensi sich verabschiedet hatte und ich darauf wartete, mit Dirk sprechen zu können, dass ich voll drin wäre in dieser Interviewer-Rolle. Nun muss ich nur noch rausfinden, ob sich das ausschließlich auf Personen bezieht, die mich eh interessieren, oder ob ich auch bei für mich uninteressanten Leuten die richtigen Fragen finde und stelle.

Alles in allem war es ein sehr schöner Abend. Es tat mir gut, durch die Musik in alte Erinnerungen geschubst zu werden und mich mit diesen dann auch auseinander zu setzen. Für mich ist klar, dass diese Musiker auch in den alten Bundesländern etabliert werden müssen. Deshalb werde ich mich – sobald die Zeit es erlaubt – auf die Suche nach passenden Locations für Lesungen und Konzerte im Zöllner-Stil machen. Leicht wird es nicht, aber ich bin guter Dinge, dass man da irgendwas reißen kann. Falls zufällig jemand aus Hamburg über meinen Blog stolpert und diesen Post liest – ich bin für Ideen und Vorschläge offen.

Jetzt bin ich ziemlich abgeschweift, vielleicht sollte ich die persönlichen Erkenntnisse in ein gesondertes Posting packen. Abtippen muss ich diesen ganzen Text hier ja auch noch, auf dem Papier bringt er euch nicht viel.
Ja, ich denke, das ist eine gute Idee. So verschaffe ich mir noch etwas Zeit, und ihr habt jetzt auch erstmal genug zum Lesen bekommen. Außerdem sollte ich zur Abwechslung vielleicht auch mal wieder ein bisschen im Unterricht aufpassen ;o)

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