Und plötzlich …

12. Februar 2009 at 20:09 (Gedanken, Leben)


… ist man wieder Schüler. Und man fühlt sich auch so. Große Unterschiede gegenüber der Tagesschule habe ich bisher – in einer Woche – noch nicht festgestellt. Der Unterricht ist halt abends, nur vier Stunden täglich und in diesem Sinne keine Pflicht. Wenn man fehlt, fehlt man halt und lässt sich die versäumten Stunden in der nächsten Stunde vom Fachlehrer abzeichnen. Dann gelten sie als entschuldigt.
Was noch viel ausmacht, ist der Vollzeitjob, dem man vor der Abendschule noch nachkommt. So nach der ersten Woche stell ich schon fest, dass es ganz schön anstrengend ist und auch wird. Ohne Ferien und Urlaub bin ich am Tag ganze acht Stunden Zuhause. Ihr könnt euch selbst ausrechnen, was da für Schlaf übrig bleibt, ganz zu schweigen von wirklicher Freizeit.

Ich könnte jetzt schlafen, während ich im Geschichtsunterricht sitze und diesen Eintrag handschriftlich verfasse. Geschichte hat mich schon immer gelangweilt, und zu gern würde ich in ein anderes Fach wechseln, aber leider gibt es keine Alternativen. Im Gegensatz zu Chemie, wo ich alternativ in den Physikunterricht der Paralell-Klasse gehen könnte. Oder in PGW (Politik- und Gesellschaftswissenschaften) zum Philo-Unterricht. Da aber Chemie eindeutig das kleinere Übel ist und ich am liebsten PGW und Philosophie machen würde, bleibt mir nichts anderes übrig, als mich mit meinem Stundenplan zu arrangieren. Mittlerweile hab ich mich da auch schon ganz gut dran gewöhnt, und es ist ja auch nur für ein Jahr. Nach der Vorstufe wird der Unterrict und somit auch die Fächerzusammenstellung meinem persönlichen Profil, also meiner anschließenden Zielsetzung, angepasst.

Doch bis dahin, also bis zur Versetzung in die Studienstufe, ist es erstmal noch ein knappes Jahr. Die dauert dann noch mal zwei Jahre. Deshalb immer schön einen Schritt nach dem anderen. Für mich steht zwar fest, dass ich das mit der Abendschule und dem Abitur durchziehen werd, und auch der Plan, im Anschluss Linguistik zu studieren, ist fester Bestandteil meiner Zukunftsvision. Aber mühsam ernährt sich das Eichhörnchen – erstmal muss ich den nächsten Tag, die nächste Woche, den nächsten Monat über- und durchstehen. Einfach die nächste Zeit durchhalten und das Ziel nicht aus den Augen verlieren.
Zum Glück habe ich Unterstützung auf der Arbeit und im Freundeskreis, sodass es in Schwächemomenten und Null-Bock-Phasen immer jemanden geben wird, der mir in den Arsch tritt, mich motiviert, Aufbauarbeit leistet oder mir in fachlichen Fragen helfen kann. Irgendwie hab ich für jedes Fach jemanden an der Hand, der darauf „spezialisiert“ ist – das wird auf jeden Fall eine Erleichterung sein, denke ich.

Was bleibt noch zu sagen, was könnte euch noch interessieren?
Die Leute in meiner Klasse sind auf den ersten Blick ganz verschieden. Bei manchen frage ich mich, warum sie ihr Abi nachhole wollen – so mit 50 Jahren hätte ich wohl anderes im Sinn. Zumal ich nicht wirklich weiß, was ein anschließendes Studium noch bringen soll – arbeiten können sie in dem Beruf doch dann eh nicht mehr. Ist vielleicht einfach nur für sie selbst, als eine Art Selbstbeweis, dass sie’s noch können.
Oder die polnische Einwanderin, die neben mir sitzt: 40 Jahre, Geschichtsfreak (mit der konkreten Aussage, dass es Preußen nie gegeben hat …), unheimlich ausschweifend in ihren Erklärungen (wenn ein Lehrer ’ne Frage stellt, wo die Antwort aus einem Satz besteht, erzählt sie ganze zehn Minuten), antwortet auf die interessierte Frage, warum sie ihr Abi nachholt „Ich hab da einfach Bock drauf und eh nichts Besseres zu tun.“
Bei ihr bin ich mir relativ sicher, dass se in einem halben Jahr schon nicht mehr da ist. Leute, die das aus Langeweile machen, weil sie nichts mit ihrer Zeit anzufangen wissen, halten nie lange daran fest und noch kürzer durch. Ich denke, dass sie recht schnell die Lust verlieren wird. Überhaupt bin ich gespannt, wie sehr sich die Klasse in den nächsten Wochen und Monaten noch ausdünnen wird. Manche haben neben dem Vollzeitjob und der Schule auch noch eine Familie, das stell ich mir extrem hart vor.

Ansonsten bin ich guter Dinge.
Mit Chemie und Geschichte werde ich mich im Laufe der Zeit schon noch anfreunden, auf Latein (die für mich dritte Fremdsprache) freue ich mich unheimlich und auch alle anderen Fächer erscheinen momentan und mit Blick auf die Lernziele der Vorstufe ganz erträglich.
Die Lehrer haben jeder für sich ihre Vorzüge und Nachteile – und außerdem ohne Ausnahme tierisch ein Ding an der Waffel. Meine Klassen- und gleichzeitig Mathelehrerin ist eine typische Mathe- und Physik-Tante; der Latein-Lehrer unheimlich locker und gut drauf; die PGW-Schnepfe steht völlig neben sich und ist sowas von undiplomatisch und auf ihre Meinung pochend, dass der Unterricht entweder extrem spannend und spaßig oder aber die reinste Hölle werden wird (in diesen Unterricht kommt eine Original-Berliner-Schnauze aus der Paralell-Klasse – die hab ich schon geliebt, als sie das erste Mal den Mund aufgemacht hat ^^); die Bio-Lehrerin scheint mir auch nicht ganz rund zu laufen; der Deutsch-Lehrer ist auf den ersten Blick eine monotone Scharchnase, aber das bessert sich anscheinend von Stunde zu Stunde; die Chemie-Lehrein ist erstaunlich sympathisch und Frau Geschichte … na ja, lassen wir das. Immerhin schreibe ich gerade diesen Eintrag, nicht oder?
Insgesamt denke ich, dass der Unterricht und die Zeit amüsant und auch anstrengend werden. Aber wie schon geschrieben: Ich bin guter Dinge!

Manche fragen sich vielleicht schon, warum bereits zweimal das Fach Latein gefallen ist, aber ich das Fach Französisch mit noch nicht einer Silbe genannt habe. Das hat einen ziemlich einfachen und plausiblen Grund: Der Französisch-Unterricht wäre für mich sterbenslangweilig.
Zur Erklärung sollte ich vielleicht erwähnen, dass ich bereits sechs Jahre lang Französischunterricht hatte. Sicher, ich habe genauso lange schon nicht mehr gesprochen, aber das Wissen ist ja trotzdem noch da. In der sogenannten Schnupperstunde hae ich dann schnell festgestellt, dass ich unterfordert bin und dass ich schnell genervt sein würde von der „Dummheit“ der anderen, die natürlich nicht dumm sind, nur weil sie noch nie ein Wort Französisch gesprochen haben. („Voulez-vous coucher avec moi?“ zählt übrigens nicht!)
Vor diesem Hintergrund, weil mich eine dritte Fremdsprache schon immer reizt, und weil mir die Lateinkenntnisse im späteren Linguistik-Studium nützlich sein werden, habe ich mich schon vor der Französisch- direkt nach der Latein-Schnupperstunde für letztere Sprache entschieden. Auch auf Empfehlung einer befreundeten Linguistikstudentin, die kurz vor dem Abschluss steht und damals kein Latein gewählt hat.
Da mich die französische Sprache aber immer noch reizt und ich sie auf jeden Fall wieder aktiv sprechen will, werde ich wohl irgendwie einen Kurs an der Uni oder per Fernkurs belegen. Die Französischleute aus meiner Klasse haben ein tolles Lehrbuch mit CD (wurde in der Schnupperstunde vorgestellt), das werde ich mir wohl anschaffen, um wieder reinzukommen. Zusätzlich werde ich sicher auch auf die Französisch-Lehrerin zugehen können, um Aufgaben für Fortgeschrittene abzufordern. Nur der Unterricht selbst ist eben nichts für mich, weil wirklich bei Null angefangen wird – im wahrsten Sinne, die Zahlen null bis zehn gab’s in der Schnupperstunde vor den Latz.

*hehe* Wenn ich mir die Länge des bisherigen Textes anschaue, merkt man wahrscheinlich auch als geübter und erfahrener Blogleser sehr schnell, dass ich wiede zur Schule gehe. Blogeinträge von dieser Länge habe ich füher entweder abends/nachts oder eben in der Berufsschule geschrieben. Nun verbinde ich das Ganze irgendwie ^^

Was übrigens auch ganz gut zum Thema passt:
Meine Kollegin hat im Januar mit einem Studium angefangen. BBA für Gesundheitsmanagement oder sowas, bei der Steinbeis-Academy in Hamburg. Ist unheimlich stolz drauf (kann se ja auch, kostet nämlich ein Schweinegeld, weil’s ’ne Privatuni ist) und prahlt damit in der Klinik rum (soll se halt, wen’s ihr was bringt). Hat maximal drei Tage im Monat wirklich Uni und heimst Mitleid ein, weil ihr zusätzlicher Zeitaufwand neben der Arbeit „bestimmt 16 Stunden in der Woche – *besondere Betonung* on top!“ bettägt. Ich gehe auch meine acht Stunden täglich arbeiten, und habe zusätzlich noch meine vier Stunden Unterricht jeden Abend – die aber nicht „bestimmt“, sondern definitiv.
Klar ist es ein Unterschied, ob man mit Mitte 20 oder mit Mitte 40 die Entscheidung trifft, sich weiter- und fortzubilden, um beruflich voran zu kommen. Und es ist sicher auch ein Unterschied, ob man ein Abi nachholt, in dem man größtenteils nur Wiederholungsthemen hat, oder ob man ein Studium beginnt, bei dem man mit Sachen konfrontiert wird, von denen man vorher noch nie was gehört hat. Wobei ich dafür irgendwie kein Verständnis habe – wenn ich mich für etwas interessiere und etwas machen will, dann mache ich mich doch vorher schlau, informiere mich darüber und eigne mir schon ein bisschen Wissen an – damit ich nicht völlig ins kalte Wasser falle. Das ist so ähnlich, als würde ich als Lektorin bei einem Verlag anfangen wollen, hätte aber noch nie in meinem Leben ein Buch in der Hand gehabt.
Und andererseits ist es auch ein Unterschied, ob man maximal drei Tage straighten Unterricht macht und den Rest des Monats für dann aufgegebene „Hausaufgaben“ frei enteilen kann, oder ob man wirklich jeden Abend, drei Jahre lang, jeden Abend in die Schule geht.

Man kann sich sicher darüber streiten, was anstrengender und aufreibende ist. Ich streite auch gar nicht ab, dass dieses Studium hart sein wird. Nur finde ich, dass es heutzutage nichts Besonderes mehr ist und dass sie sich damit nicht so aufspielen und wichtig machen sollte. Dazu gibt es nämlich keinen Grund – sie ist nur eine von vielen mit diesem Ziel, genauso wie ich.
Nun ja, wir werden sehen, wo uns der Weg hinführt. Mein Ziel steht fest; wie ich letztendlich dort hinkomme, möchte ich jetzt noch gar nicht zu hundert Prozent festlegen. Wird sich schon alles finden.
Bis jetzt bereue ich diesen Schritt jedenfalls nicht. Es wird noch grenzwertige Zeiten geben, das weiß ich. Aber ich bin fest entschlossen, und das ist wohl eine der wichtigsten Voraussetzungen, um auch am Ziel anzukommen.

Mir tut jetzt die Hand wh und ihr habt nach dem Abtippen endlich mal wieder was Längeres zu lesen ^^
Bald ist Wochenende – und es wird auch Zeit!

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1 Kommentar

  1. Ein Blogleser said,

    Das Studium und die Uni entschädigen dann für den Stress….

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