Einsamkeit

22. November 2008 at 16:59 (Gedanken, Kreatives)


Für Lars habe ich den folgenden Text wieder rausgekramt, der im Juli 2006 entstanden ist, nachdem ich seinen (alten, nicht mehr existenten) Blog ein wenig durchstöbert habe und einige Gemeinsamkeiten entdecken konnte.

Einsamkeit

Was ist das, was mich da umgibt?

Ein schwarzes Etwas streift meine Haut, doch wenn ich es greifen will, entgleitet es mir. Es ist kalt und so laut, es schreit mir ohne Rücksicht direkt ins Ohr. Es tut mir weh, so weh. Schmerzen flimmern vor meinen Augen, grelles Licht blitzt immer wieder hinter meinen flatternden Lidern auf. Mein Körper zittert, doch ich liege ganz ruhig. Schüttelfrost packt mich, mir wird heiß und kalt. Ich habe Ohrenschmerzen. Es ist still. Und es ist laut. Laut und leise. Stille und Krach.
Ich sterbe.

Das Etwas packt mich, zerrt mich zu sich. Umarmt mich mit seinen kalten Klauen, krallt sich in meinen Armen fest. Ich blute. Rot und dick tropft mein Blut auf den kalten Steinfußboden. Meine Füße sind nackt. Aber nicht kalt. Ich spüre nichts. Mit den Zehen male ich Muster aus Blut auf den Boden. Wunderschöne Bilder zeichne ich. Bilder in Rot. Bilder aus warmem Blut. So rot, so warm. Doch ich nehme nichts wahr. Ich liege still. Liege ich? Stehe ich? Wache oder träume ich?
Ich sterbe.

Stille. Lautlose Stille, die um mich ist. Nein, nicht lautlos. Ohrenbetäubend. Laute Stille. Ich höre alles. Und ich höre nichts. Ich falle. In einen Nebelschleier, der mich vor allem schützt. Völlige Stille. Nur das Flattern meiner Kleidung im Wind ist zu hören. Doch ich trage nichts. Ich bin nackt. Nackt und kalt. Nur warmes Blut, das an meiner Haut klebt. Warmes Blut auf kalter Haut.
Ich sterbe.

Ich bin allein. Da ist nichts. Alleinsein. Nur ich. Und meine Angst. Angst vor dem Alleinsein. Und die Kälte. Kälte, die sich in die Knochen frisst. Kälte, die mich Tränen aus Eis weinen lässt. Tränen, die frostige Spuren über meine Wangen ziehen. Eistränen, entstanden durch meine Kälte. Oder ist es einfach die Kälte der anderen? Derer, die mich allein ließen? Die Kälte der Einsamkeit? Es ist kalt. Ich friere. Ich erfriere.
Ich sterbe.

Das schwarze Etwas umhüllt mich mit seiner Dunkelheit.
Lässt mich seine Kälte spüren.
Schreit mich an.
Zerkratzt mich, beißt mich, verletzt mich.

Das schwarze Etwas bin ich.
Bin ich?
Bin ich etwas?
Was bin ich?
Nichts.
Alles.
Wenig.
Viel.
Einfach ich.

Das schwarze Etwas.
Meine Seele.
Ich sterbe.
In Einsamkeit.

Eigentlich einer der Texte, mit denen ich mich nicht mehr auseinandersetzen wollte und von denen ich dachte, ich müsste es auch nie wieder. Doch manches ändert sich eben nie.

2 Kommentare

  1. L. said,

    Welch Ehre, dass du extra für mich in deinen Archiven kramst;)

    Aber der Text ist wirklich gut – und drückt mich wirklich gut aus, sehr gut. =/

    Liebe Grüße,
    Lars

  2. johannatindomerel said,

    Ein sehr ergreifender, berührender, aber auch erschreckender Text! Aber du schaffst unglaublich gut fantastische Bilder vor meinem inneren Auge entstehen zu lassen.
    Der Text hat mich sehr berührt!

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