zwei Postkarten
Auf der ersten ist ein Strand zu sehen, an dessen Ufer sich die Wellen brechen. Im Hintergrund die Umrisse von Bergen im Sonnenaufgang. Und als Text:
Träumer haben vielleicht keinen Plan - aber Realisten haben keine Visionen.
Wunderschön, einfach nur wunderschön.
Die zweite Karte ist vom Bild her sehr schlicht gehalten. Da stehen einfach zwei unterschiedliche Stühle, die rein optisch (meiner Meinung nach) nicht wirklich zusammen passen. Der Text dazu:„Wenn ich mich zeige, so wie ich bin,
wenn ich dich sehe, so wie du bist,
passen wir vielleicht gar nicht zusammen, so wie wir sind“,
sagt der Zweifel.
„Nur wenn ich dich nehme, so wie du bist,
nur wenn ich mich gebe, so wie ich bin,
können wir uns nahe sein, so wie wir sind“,
sagt die Liebe.Auch hier wieder unglaublich tiefsinnig. Wenn man mal darüber nachdenkt, wird einem bewusst, wie oft man eigentlich zweifelt. Sehr oft. Zu oft. Viel zu oft? Manchmal sind Zweifel wohl gar nicht so falsch. Aber:
Ob eine Sache gelingt, erfährst du nicht, wenn du darüber nachdenkst, sondern wenn du es ausprobierst.
Einfach nur mal so. Grad im alten Blog wiedergefunden, das war am 03. Mai 2006. Schön. Und lange her.
Literatopia-Weihnachtspost
Übermüdet, krank, gehetzt und viel zu spät holte ich auf dem Weg zum Treffpunkt der Mitfahrgelegenheit noch schnell meine Post aus dem Briefkasten – und ein leises Lächeln stahl sich auf mein Gesicht. Denn neben der Benachrichtigung, dass am 5.1. meine Kühl-Gefrier-Kombi geliefert wird, fand ich außerdem noch einen Briefumschlag mit einem blauen „Priority Prioritaire“-Aufkleber und ohne Absender vor. Erster Gedanke: „Vielleicht ist der Tag doch gar nicht so schlecht.“ und der Umschlag landete erst einmal in der Manteltasche, weil ich an die anderen grad nicht ran kam.
Der Bus fuhr mir vor der Nase weg und ich war erneut gefrustet, stellte die Reisetasche ab und vergrub die Hände in den Manteltaschen – wo ich wieder den Umschlag fühlte. Ich holte ihn hervor, drehte ihn hin und her und öffnete ihn schließlich vorsichtig.
Zum Vorschein kam eine rote Karte mit weißen Querstreifen und Sternen, auf der „Frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr“ steht, außerdem hängt ein Stern aus weißem Filz an einem roten Bändchen daran.
Als ich die Karte aufklappe, fällt mir ein Zettel entgegen, den ich erst einmal hinter die Karte klemme, um den Kartentext zu lesen. Da steht in feinen, schwarzen Kugelschreiberlettern – die Schrift ist sehr klar, besonders der Bindestrich in Form eines Istgleich-Zeichens fällt mir ins Auge – folgender Text:
Liebe AngelOfShadow!
Friedliche, schöne Weihnachten und einen guten Rutsch!
Ich weiß, du hast viel vor im neuen Jahr und ich wünsche dir dafür das Beste.Weihnachtsgrüße aus Literatopia.
Weiter geht’s mit dem A5-Zettel, der wohl früher A4-Format hatte, jedenfalls deutet die rechte Kante darauf hin ;o)
Darauf ist folgender Text zu lesen:
Gedanken(bilderalbum)
Kerzen und Nüsse, Leuchtketten im Regen.
Ein Lichterfeiern, dem Jahresende entgegen (früher
galten die Tage zwischen dem Heiligen Abend
und dem 6. Jänner mancherorts als eigener
Monat – das 13. Monatsgehalt zwischen den
12 Rauhnächten).
Man darf auch hinterfragen. Ein bisschen Schnee
aus der Ferne und die Dunkelheit im Kauf-
rausch am späten Nachmittag.
Weihnachten kann Anlass, muss nicht Grund
sein.
Im Blau der Dämmerung der gelbe Schein und
die Menschen, die Kinder.
Weihnachten muss gedeutet werden, von jedem
für sich, sonst ist es bedeutungslos.
Die ganze Fahrt von Hamburg nach Strausberg habe ich vor allem über den vorvorletzten und letzten Satz nachgedacht, und ich habe mich unter anderem gefragt, warum ich so tolle und nachdenklich machende Post bekomme. Wahrscheinlich auch als Anstoß, meine Einstellung zu Weihnachten zu ändern – schauen wir mal.
Ich schicke einen herzlichen Dank nach Österreich, auch wenn ich gar nicht weiß, ob betreffende Person meinen Blog überhaupt liest.
Allen andere, sofern erwünscht, nette … na ja, zumindest überstehbare Feiertage. Ich werd wohl im Laufe der Zeit meines Pflichtbesuches noch einen Post zu diesem Thema schreiben. Aber erst mach ich mir ‘ne heiße Honigmilch und werde ein Erkältungsbad nehmen.
Die Literatopia-Postkartenaktionen …
… sind schon eine ganz besondere Sache. Neben dem Besuch der Buchmesse im Oktober, den wir mit einem Wochenend-Treffen in einer Darmstädter Jugendherberge verbanden und bei dem ein Großteil der Forengemeinde sich mal persönlich kennen lernte, weiten wir das Forenleben auch auf dem Postwege aus – mit der regelmäßig stattfindenden Postkartenaktion.
Schon beim für mich ersten Mal habe ich tolle Karten erhalten – die Menschen dort machen sich wirklich Gedanken um die Person, der sie zugeteilt wurde, und nicht nur das – viele verschicken auch mehrere Karten, um zu zeigen, dass die auch außerhalb des Forums Anteil an persönlichen Situationen nehmen.
So erreichte mich heute eine besondere Karte, die mich zutiefst erschütterte, aber auch aus der unbemerkten Lethargie riss, die mich seit einiger Zeit befallen hatte. Sie stellt ein Sinnbild dar, welches aufrüttelnder nicht sein könnte. Und weil sie so besonders ist, möchte ich sie in meinem Blog festhalten, damit sie nicht verloren geht – die Originalkarte bekommt einen Ehrenplatz auf meiner nach der Renovierung eine Wand zierenden Leinwand, soviel ist sicher. Doch auch euch, liebe Leser, möchte ich daran teilhaben lassen, denn wie die Verfasserin der Zeilen und Absenderin der Karte auf meine Entlarvung schrieb: … Weihnachten besteht halt auch aus den besinnlichen Momenten. Recht hat sie – und hier ist zumindest eine Beschreibung der Karte:
Auf dem Weg zur völlig überfüllten Post, um Briefmarken zu besorgen, fiel mir der Postbote in die Hände – ich hab mir meine Post gleich geben lassen, weil ich nicht warten wollte, bis ich wieder nach Hause komme. Vielleicht wäre Letzteres angebrachter gewesen … denn zum ersten Mal hat mir eine Postkarte wirklich das Wasser in die Augen gejagt.
Zur Karte:
Sie ist weiß. Zuerst dachte ich, die Post hat Mist gebaut, aber dann schaute ich auf die Rückseite. Abgestempelt wurde die Karte gestern, allerdings so schwach, dass man das Briefzentrum nicht erkennen kann und mir so das Schummeln versagt bleibt. Die Briefmarke zeigt den Warnemünder Leuchtturm, was mich gleich stutzen ließ. Doch dazu später. Auf der Rückseite war ein gedruckter Text aufgeklebt, zu dem handschriftlich vier Zeilen hinzugefügt wurden, in dunkelblauer Fineliner-Schrift.
blankes feld
wer wird mir sagen, was zu tun ist
wenn alles unüberwindbar scheint
wer wird mich leiten durch die nacht
wenn die dunkelheit alles verschlingt
wer wird mich halten in seinem arm
wenn mein leben ein wirbelsturm ist
zerstörerisch gelenkt von einer kraft
der ich nicht entkommen kann
wer wird mein freund sein
wenn ich verlassen bin
wer wird mich wärmen
wenn es mich friert
wer wird mich lieben
wenn mein hass mauern baut
wer lässt mich leben
wenn ich nicht atmen kann
unerreichbarer
wo werde ich dich finden
wann kann ich dich sehenDer Tag wird kommen.
Auch für dich.
Und liebste Grüße und beste Wünsche
begleiten dich auf dem Weg dorthin.
Die Karte kann nur von jemandem kommen, der mich gut kennt oder sich intensiv mit meinen Texten auseinandergesetzt hat. Und da mir von der Teilnehmerliste da nur zwei Menschen in den Sinn kommen, einer seinen PKA-Anteil schon übererfüllt hat, bleibt nur eine Person.
Danke, Lilly.
Für die Erinnerung und für die Tränen, für das Sinnbild und für die Hoffnung, die deine Karte gebracht haben.
Mit Umarmung,
Angelita
Die Karte hat mich nachdenklich und auch ein bisschen traurig gemacht, inspiriert und verwirrt. Was man daraus noch machen kann, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Lust auf Weihnachten und auf die Tage mit meiner Familie habe ich noch immer nicht. Viel mehr steht mir der Sinn danach, mir die Decke über den Kopf zu ziehen und meinen kompletten Urlaub zu verschlafen – was meinem Gesundheitszustand sicher zuträglich wäre.
Aber man kann nicht alles haben, nicht wahr? Für euch werde ich mich aber bemühen, noch heute Abend oder spätestens morgen endlich die beiden ausstehenden Einträge zu schreiben und natürlich auch zu veröffentlichen. Zuerst gibt’s aber noch eine Kanne Tee *rumhust*

