Lesungsbesuch Paolo Giordano
ich will eigentlich schon seit ein paar Tagen über die Lesung berichten, die ich letzten Mittwoch besucht habe. Aber in Ermangelung von Zeit und, zugegeben, auch Lust bin ich dazu bisher nicht gekommen. Jetzt habe ich eigentlich auch beides nicht, denn zum einen wartet der Abwasch und zum anderen müsste ich grad dringend über den Latein-Vokabellisten und Konjugationstabellen sitzen, denn heute Abend steht eine Klausur an. Nun, man drückt sich gerne, und das Bloggen ist grad definitiv das geringere Übel ;)
Also, Paolo Giordano ist ein italienischer Schriftsteller, der so gar nicht italienisch aussieht, aber einen umso italienerischeren Charme. Und ganz ehrlich, ich habe noch nie bewusst jemanden italienisch sprechen hören, und der gute Mann hat mich arg geflashed – nicht nur durch sein Äußeres, sondern auch durch seine Art, auch Fragen zu antworten, und seine Mimik und Gestik. Das alles hat zwar nichts mit dem Buch an sich zu tun, sollte aber trotzdem erwähnt werden.
Wie bin ich eigentlich zu dieser Lesung gekommen? Nun, das ist einfach und schnell erzählt: Seit einiger Zeit bin ich Chefredakteurin bei Literatopia und habe damit auch einige Verlagskontakte übernommen. Darunter auch der Blessing-Verlag der Verlagsgruppe RandomHouse, bei welchem die deutsche Ausgabe des ersten Buches von Paolo Giordano erschienen ist: Die Einsamkeit der Primzahlen.
Dieses wurde mir als Rezensionsexemplar geschickt und in dem Umschlag lag neben einem aktuellen Programm des Verlages auch eine Presseinformation, auf welcher auch Lesungstermine standen. Ich hab gar nicht lange überlegt und mir eine Karte besorgt. Und das hat sich echt gelohnt, ich hatte einen tollen, sehr unterhaltsamen Abend. Auch wenn ich kein Wort italienisch speche und dementsprechend wenig verstanden habe. Zum Glück waren zwei Dolmetscherinnen da :)
Die Lesung selbst war eine Mischung aus Interview, Anekdotenerzählungen und eben der Vorstellung des Romans. Highlight dabei war die deutsche Schauspielerin Julia Jäger (bekannt als Paola aus den Donna Leon-Serien), die nahezu hinreißend Passagen aus der deutschen Ausgabe gelesen hat. Und auch Paolo Giordano hat vorgelesen – auf italienisch und anschließend die gleiche Stelle noch mal auf deutsch. Respekt vor seinen Deutschkenntnissen, echt.
Diesen letzten Part der Lesung habe ich aufgezeichnet und bei Youtube eingestellt, um euch teilhaben zu lassen. Ist etwas leise geworden, aber ist ja auch klar – der braucht natürlich nicht so eine Technik wie Sänger. Aber es gibt ja Volume-Regler an jedem Rechner, gelle. Viel Spaß beim Angucken:
Und natürlich damit noch nicht genug, ich hab noch mehr Grund zum Angeben. Denn da das Buch bereits in meinem Besitz war, hab ich es selbstverständlich zur Lesung mitgenommen – denn Paolo hat nach der Lesung noch eine Signierstunde gegeben. Jetzt bin ich stolze Besitzerin zweier Autogramme von Paolo Giordano, und die gute Julia Jäger hat sich auch in meinem Exemplar von „Die Einsamkeit der Primzahlen“ verewigt. Für manch einen von euch ist vielleicht nicht nachvollziehbar, warum mir das so viel bedeutet, aber muss es ja auch nicht. Ich versteh manche von euren Interessen ja auch nicht, ne ;)
Das Buch lese ich gerade, sodass ihr in den nächsten Tagen wohl auch mit einer Rezension rechnen könnt. Überhaupt solltet ihr regelmäßig einen Blick in meine Rezensions-Liste werfen, denn die ist momentan das einzige an diesem Bog, was wirklich auf aktuellem Stand gehalten wird. Und ich würde mich freuen, wenn mich noch einige Fragen von euch erreichen, die ich in das anstehende Interview mit Sebastian Fitzek packen kann ;) Ablauf der Einsendefrist ist kommender Freitag, also ran an die Tastaturen!
Das war’s von mir für den Moment. Ich werde mal meinen Abwasch fragen gehen, was er davon halten würde, wenn ich mich jetzt um ihn kümmern würde. Und danach geht’s dann an Latein, damit ich die Klausur nicht ganz in den Sand setze.
Für euch zum Abschluss noch ein Paolo, über den ich letzte Nacht gestolpert bin und der seitdem ganz schön oft in meinem Player läuft – siehe Last.FM-Liste auf der rechten Seite ;)
Einen guten Start in die Woche wünsche ich euch, wir lesen uns bald wieder – versprochen!
an evening with Il Divo in Stuttgart …
Es ist nun schon eine Weile vergangen, dass ich in Stuttgart war. Zwar sind schon einige Menschen in den Genuss meiner Videoaufzeichnungen gekommen, doch der Bericht über dieses grandiose Konzert steht noch aus. Wie schon im Januar bei David Garrett in Hamburg, erging es mir dieses Mal auch bei Il Divo in Stuttgart so, dass ich meine Konzertauswertung nicht direkt nach dem Konzert machen konnte. Deshalb habe ich mir ein wenig Zeit gelassen, doch ich hoffe, dass das Ergebnis euch entschädigen wird.
Wenn man bedenkt, dass ich bereits im Dezember den Stuttgart-Trip plante und auch gar nicht bis Mitte Januar mit der Ticketbestellung wartete, habe ich mich relativ spät auf den wirklichen Konzertbesuch vorbereitet. Nachdem ich Garrett in der ColorLineArena erleben durfte, hörte ich nonstop und ausschließlich seine Musik. Für anderes war da kein Platz – okay, mal für ein oder zwei Liedchen oder wenn mich morgens das Radio weckte, aber ansonsten liefen sowohl auf meinem Rechner als auch unterwegs auf dem Handy Virtuoso und Encore. Wirklich wieder auf Il Divo umgestiegen bin ich nur wenige Tage vor der Abfahrt nach Stuttgart. Und obwohl ich vor Dezember wirklich lange nicht einen Titel von ihnen gehört habe, waren mir die Texte der vier Jungs sofort wieder im Ohr und im Kopf – und im Herzen. Auch wenn man nicht alles versteht, weil man schlicht und ergreifend die Sprache nie (vollständig) gelernt hat, so ist doch die Melodie immer wieder eingängig (und das nicht nur, weil man die meisten Songs schon in englischer Variante kennt) … und der Kopf vergisst ja so schnell auch nichts, was er sich einmal wirklich eingeprägt hat. (Das klappt in jedem Bereich, der nichts mit Schule zu tun hat, wie ich zurzeit feststellen darf -.-)
Zwei oder drei Tage, bevor ich nach Stuttgart gefahren bin, wurde mir das nach dem Konzert geplante Treffen noch abgesagt. War aber auch ein bisschen meine Schuld, ich hab wohl nicht klar genug deutlich gemacht, dass ich allein fahre und dort auch niemanden kenne, der mir sonst die Zeit vertreiben könnte. Na ja, fürs nächste Mal weiß ich’s ja jetzt ^^ Aber immerhin haben wir es geschafft, uns in der Konzertpause kurz zu treffen und den Radiostimmen auch ein reales Gesicht zu geben. Jedenfalls war ich auf Grund dieser Absage ein bisschen traurig, obwohl da tatsächlich mehrere Faktoren reinspielten. Letztendlich ist es aber auch nicht schlimm, denn ich musste ja am Sonntag sowieso wieder recht früh raus, um aus dem Hotel auszuchecken und schließlich wieder nach Hause zu fahren. Dieses abgesagte Treffen schmälerte die Vorfreude auf das Konzert geringfügig, und als ich schließlich auf mein Ticket schaute und meine Platznummer und vor allem –reihe sah, ging es mir schon sehr viel besser: Innenraum C, Reihe 2, Platz 4. Mit anderen Worten: Ich saß ziemlich direkt vor der Bühne, wenn auch leicht schräg.
Jetzt war mir auch klar, warum mich das Ticket fast hundert Euro gekostet hat, aber ich sag’s euch: Jeder einzelne investierte Cent hat sich gelohnt. Ich würde jederzeit wieder dieses Geld für solch ein Konzert hinlegen. Und ich hoffe inständig, dass sie nächstes Jahr auch mal wieder nach Hamburg kommen – ihr letztes Hamburgkonzert habe ich leider knapp verpasst, weil die Phase des Il-Divo-Liebens kurz nach ihrer Tour wieder startete. Nur deshalb habe ich mich überhaupt nach anderen Deutschland-Konzerten umgeschaut, und auf Stuttgart fiel die Wahl schließlich, weil das Konzert an einem Samstag stattfand. Als Berufstätige muss ich ja schauen, dass ich meine wenigen Urlaubstage sinnvoll und sparsam einsetze. Wie der Zufall wollte – oder war es Schicksal? – fiel das auch direkt in die Ferienzeit, sodass ich tatsächlich ein verlängertes Wochenende planen und schließlich veranstalten konnte. Wie dieses Wochenende insgesamt aussah, erfahrt ihr demnächst noch im ausführlichen Reisebericht. Den ich erst noch schreiben muss. Wenn die Klausurenphase vorbei ist. Vielleicht aber auch schon ein wenig früher.
Also, wie schon gesagt, jeder Cent war gut investiertes Geld, aber das wusste ich ja vorher nicht. Das weiß man vorher nie, außer man hat schon einmal ein Konzert der betreffenden Band besucht. Ansonsten gibt es immer drei Möglichkeiten, wenn man die Musik auf den CDs mag: Man ist begeistert, die bereits bestehende Meinung wird untermauert oder man ist enttäuscht.
Im Fall von Il Divo trafen alle drei Punkte zu. Das bedeutet im Einzelnen folgendes:
Begeisterung darüber, dass die vier Jungs unheimlich publikumsnah auftreten. Es hat Spaß gemacht, ihre Deutschversuche anzuhören. Und sehr begeitert war ich auch vom Mini-Orchester, das den ganzen Saal beschallte. Besonders toll fand ich die Gaze-Bahnen auf der Bühne, auf die während einigen Songs mit kleinen Animations-Filme geworfen wurden. Auch die Bilder und Videos, die auf die große Bühnenleinwand projiziert wurden, waren mit großer Sorgfalt ausgesucht und auf jedes Lied abgestimmt. Hier wurde großartige Arbeit geleistet.
Bestätigt wurde meine Meinung, dass Il Divo wirklich singen können und unheimlich vielseitig in ihren Stimmen sind. Es war unglaublich, mit welcher Inbrunst die Songs rübergebracht wurden. Hier hat mich besonders Carlos beeindruckt, einfach … ja, hingebungsvoll. Das gesamte Konzert war von vorne bis hinten live, jedenfalls hatte ich nicht den Eindruck, dass irgendwas mit einem Playback hinterlegt ist. Während man das bei anderen Bands geradezu offensichtlich präsentiert bekommt.
Und natürlich war das Konzert viel zu schnell vorbei, auch wenn die Jungs insgesamt über zwei Stunden gespielt haben. Zum Glück hatte ich sämtliche Alben auf meinem MP3-Player, sodass ich das Konzert sozusagen privat fortsetzen konnte. Und mit meinen Aufnahmen, die ich im Hotel direkt auf den Laptop gezogen hatte, war das Konzert auch noch mal ganz nah. Trotzdem ist es natürlich kein Vergleich zum richtigen Konzert.
Tja, was bleibt mir abschließend noch zu sagen? Es gibt sicher einige Menschen in meinem Bekanntenkreis, die den Besuch dieses Konzertes nicht nachvollziehen können. Aber warum muss ich mich denn auf ein Genre festlegen, das ich gerne höre? Ich bin halt vielseitig, und das bezieht sich auf alle Bereiche meines Lebens. Schließlich lese ich auch nicht nur Krimis oder Fantasy. Die Mischung macht’s ;)
Der Besuch des Il Divo-Konzertes war die Stuttgart-Reise auf jeden Fall wert, auch wenn ich die Stadt selbst nicht als Reiseziel empfehlen würde. Mir hat es dort nicht sonderlich gut gefallen. Aber man kann es auch nicht überall schön finden, nech.
Das war’s erstmal von mir, demnächst besuche ich die Letzte Instanz – ganz andere Musikrichtung, mag ich aber nicht weniger. Ich freu mich drauf, und natürlich wird es auch dazu einen Bericht geben ;)
7 Sünden – Musiklesung in Rostock
Knapp zweieinhalb Wochen danach komme ich jetzt endlich dazu, von meinem Wochenendtrip nach Rostock zu berichten. Ursprünglich nur wegen der am Freitagabend stattfindenden Musiklesung von und mit Dirk Zöllner zustande gekommen, stellte sich diese Fahrt im Nachhinein als sehr wichtig für mich heraus. Bevor ich darauf aber näher eingehe, möchte ich mich dem Hauptbestandteil dieses Posts widmen: der Kritik bzw. dem Bericht.
Die Frage, was man sich unter einer Musiklesung vorstellen kann, hat Dirk im Interview, das ich Ende letzten Jahres für Literatopia geführt habe, beantwortet. Den Link dazu findet ihr auf der Seite „der Schattenkämpferin Arbeit“ rechts im Menü.
Als Schauplatz für die Lesung hatte sich die Crew das Bogarts’ im Ursprung ausgesucht – welches ganz in der Nähe der Kirche liegt, in der mein „Fan-Dasein“ seinen Anfang nahm. Im April 2006 (es war der 20., ein Donnerstag, ich habe gerade noch mal in meinem alten Blog geschaut und in den Postings gekramt ^^) besuchte ich in der Nikolaikirche das erste Konzert des Clubs der toten Dichter, die damals mit ihrem Heine-Programm unterwegs waren. Die Vertonung von Heines „Buch der Lieder“ war ein gemeinsames Projekt von Dirk und Reinhardt „Max“ Repke, der heute mit neuer Besetzung die Werke eines anderen großen deutschen Dichters vertont und präsentiert. Besagtes Konzert begeisterte mich damals sehr und hatte großen Einfluss auf meine schreiberische Ader – hierzu solltet ihr vielleicht irgendwann mal in den Postings aus 2006 stöbern, wenn ich es endlich geschafft habe, sie aus dem alten Blog zu übertragen.
Aufmerksam wurde ich damals durch den Kontakt mit Matze, der seines Zeichens Drummer der Konstellation ist und den ich zufällig einige Tage vor dem Konzert über ein Portal im Netz kennen lernte. Zugegebenermaßen war er auch der Grund, warum ich überhaupt zum Konzert gegangen bin, weil ich schon ziemlich neugierig war, welcher Typ Mensch (und auch Mann *g*) sich hinter den Nachrichten verbarg, die wir rege austauschten. Wäre diese Neugier nicht gewesen (und hätte ich nicht eine nette Begleitung gehabt, die nach dem Konzert allerdings verschwand, während ich mit den Jungs noch was trinken gegangen bin – dazu dann aber mehr in den alten Postings, ich will das Thema nicht wieder komplett neu aufrollen – darum soll es in diesem Posting ja gar nicht gehen), hätte ich wahrscheinlich gar nichts von dieser Veranstaltung mitbekommen. Denn ehrlich, ich und Kultur, noch dazu in einer Kirche – das war damals weder verein- noch vorstellbar. Sowohl für mich selbst als auch für die Menschen in meinem Umfeld. Allerdings spielte auch die Bekanntschaft zu Sylke und Manfred hier eine große Rolle, ohne die ich zum Beispiel wohl auch Il Divo nicht kennen und lieben gelernt hätte. Doch das ist ein anderes Thema, das ich vielleicht irgendwann mal aufgreife, wenn ich meine Ausbildungszeit bei der OSPA aufarbeite ;)
Eine Reihe von Zufällen (oder Schicksalen) führte schließlich dazu, dass ich nahezu süchtig nach den Zöllner-Projekten war und versuchte, jede Veranstaltung im Dunstkreis Rostocks zu besuchen. Mit meiner Begeisterung (und dem Zwang, mich auf Konzerte zu begleiten) steckte ich irgendwann meinen besten Freund an. Was anfangs eine Schwärmerei für ein Bandmitglied war, entwickelte sich zu einer wirklichen Leidenschaft für die Musik und die Projekte Zöllners.
Als mein Plan, aus Rostock wegzugehen, mehr und mehr Gestalt annahm, verlor ich Dirks Projekte leider immer mehr aus den Augen, was schließlich in einem Nichts endete, als ich tatsächlich umzog und mich nicht mehr mit den Veranstaltungen in und um Rostock beschäftigte. Dazu kam das immer stärker werdende Faible für Metal in allen möglichen und unmöglichen Varianten – Zöllner rückte in den Hintergrund und verschwand schließlich aus meinem Focus.
Erst als ich mich intensiver mit der Mainpage von Literatopia befasste, stieß ich wieder auf Dirk – er war quasi mein Versuchskaninchen für das Führen von Interviews per Mail. So gesehen stellte er meine Fahrkarte ins Redaktionsteam dar – nochmals ein dickes Danke an dieser Stelle!
Während der Interviewvorbereitungen beschäftigte ich mich dann wieder ausführlicher mit Dirks Homepage, auf der ich natürlich auch über Konzert- und Lesungstermine stolperte. Dass es zum 7-Sünden-Projekt ein Buch gibt, wusste ich zu diesem Zeitpunkt schon, aber die Musiklesungstour war neu für mich. Durch ein noch in Rostock besuchtes Konzert dieses Projektes kannte ich die Musik bereits, deshalb zögerte ich nicht lange und gönnte mir von meinem Weihnachtsgeld die CD samt Buch. Zu diesem wird es noch eine Rezension auf Literatopia geben, sobald ich etwas mehr Luft und ein paar andere Dinge abgearbeitet habe. Außerdem plane ich für Ende April oder Anfang Mai ein Interview mit Denise, die ich auf bzw. nach der Lesung ebenfalls persönlich kennen lernen durfte und die das Roadmovie zur CD-Entstehung geschrieben hat.
Dass ich beim Stöbern auf Dirks Seite ausschließlich auf Konzerttermine in den neuen Bundesländern gestoßen bin, sollte niemanden großartig verwundern. Schließlich ist Dirk zwar seit über 20 Jahren im Musikgeschäft, aber als Ostrocker ist es schwer, in den alten Bundesländern Fuß zu fassen. An diesem Punkt arbeitet Dirk hart und steckt in Verhandlungen mit einigen Locations, allerdings gestaltet es sich recht schwierig, da der Name „Zöllner“ eben eher unbekannt ist.
Meine Chancen, dass die Crew sich nach Hamburg oder Umgebung verirren und hier in der Gegend eine Lesung geben würde, standen also relativ schlecht, neigten sich so gesehen gen Null. Der Entschluss, das Rostocker Konzert zu besuchen, war schnell gefasst. Ich lud mich für das Wochenende bei Sven ein und verband so das Wiedersehen mit einigen Freunden und Bekannten und den Besuch einer Zöllner-Veranstaltung, was schon lange überfällig war.
Dass das Wochenende auch persönliche Einsichten oder vielmehr Erkenntnisse mit sich bringen würde, war mir nicht klar. Ich dachte, alles wäre nahezu beim Alten … obwohl ich die Leute ohne Ausnahme über ein Jahr nicht gesehen und fast genauso lange auch nicht gesprochen hatte.
Da auf drei verschiedenen Seiten drei verschiedene Anfangszeiten genannt waren, fuhren wir schon zu 20:00 Uhr ins Bogart’s, wo bereits viele Besucher auf ihren Plätzen saßen und sich an ihren Getränken festhielten. Ich war froh, dass wir noch recht gute Plätze abbekommen hatten und guten Blick auf die Bühne hatten – immerhin habe ich extra die Schule ausfallen lassen, auch wenn es der letzte Freitag vor den zweiwöchigen Hamburger Frühlingsferien war.
Und es hat sich gelohnt! Für mich, die das Buch ja bereits kannte, war es natürlich ein ganz anderes Erlebnis als für Sven, der bis dato nicht mal die Musik kannte. Ich wusste, dass zwischen den beiden Autofahrten, die durch einen Titel unterbrochen waren, die ganze Entstehungsgeschichte der Texte fehlte – für Sven hingegen schien es eine Fahrt zu sein, auch wenn er mich anschließend fragte, ob da nicht irgendwas dazwischen lag. Großartig waren die emotionalen Ausuferungen und die Improvisation zwischen den Liedern. Besonders toll fand ich die Darbietung des letzten Songs, bei dem Denise einen Gesangspart übernahm. Gut ausgewählt die vorgelesenen Teile und dazu wunderbar passend die Titel, auch wenn ich fand, dass für die Entstehung der CD wichtige Passagen ausgelassen wurden. Das dürfte aber für Laien – also für diejenigen, die das Buch nicht kennen – nicht weiter aufgefallen sein. Und dann natürlich die Stimmen Dirks und Gensis – ein einmaliges Zusammenspiel und jedes Mal aufs Neue ein Gänsehaut-Erlebnis.
Im Anschluss an die Lesung gab es noch eine Session mit HanseSoul. Konnte sich ebenfalls sehen bzw. hören lassen, wenn auch diese Darbietungen ziemlich im Schatten der sehr gelungenen Lesung standen. Während der gesamten Zeit hat Dirk mit dem Publikum gearbeitet, es in Songs einbezogen – ein besonderes Highlight war die Projektion einiger Bilder und die Vorstellung des Videos zu „Rot“ via Beamer auf eine Leinwand, die neben der Bühne hing.
Nachdem die Scheinwerfer dann aus waren, konnte ich mich noch kurz mit den Protagonisten unterhalten. Die Herzlichkeit, mit der Gensi und Dirk ihren „Fans“ gegenübertreten, hat mir in den letzten anderthalb bis zwei Jahren gefehlt. Und auch Denise ist eine unheimlich sympathische Frau, mit der ich einige Zeit zusammen gesessen und mich über die Lesung, das Buch und weiteres unterhalten habe. Von allen dreien erhielt ich interessante Infos zu anstehenden Projekten, weiteren Band-Mitgliedern und auch persönlichen Dingen. So erfuhr ich von Gensi, dass er und Dirk ein weiteres Buch planen und sich schon in Gesprächen mit diversen Verlagen befinden. Im Mai ist wohl Stichtag, ich bin wirklich gespannt. Dirk erzählte mir, dass Matze im Sommer heiraten wird, und mit Denise sprach ich über weitere Lesungstermine. Sie war meiner Kritik gegenüber sehr aufgeschlossen und freute sich über mein Interesse am Buch und die Interviewanfrage – ich meinerseits freute mich über die Zusage und die Signierung meines Exemplars des Buches.
In den Gesprächen stellte ich fest, dass ich mehr und mehr in die Rolle der Redakteurin wachse und dass ich unheimlichen Spaß an dieser Arbeit habe, auch im direkten und persönlichen Kontakt. Sven meinte, als Gensi sich verabschiedet hatte und ich darauf wartete, mit Dirk sprechen zu können, dass ich voll drin wäre in dieser Interviewer-Rolle. Nun muss ich nur noch rausfinden, ob sich das ausschließlich auf Personen bezieht, die mich eh interessieren, oder ob ich auch bei für mich uninteressanten Leuten die richtigen Fragen finde und stelle.
Alles in allem war es ein sehr schöner Abend. Es tat mir gut, durch die Musik in alte Erinnerungen geschubst zu werden und mich mit diesen dann auch auseinander zu setzen. Für mich ist klar, dass diese Musiker auch in den alten Bundesländern etabliert werden müssen. Deshalb werde ich mich – sobald die Zeit es erlaubt – auf die Suche nach passenden Locations für Lesungen und Konzerte im Zöllner-Stil machen. Leicht wird es nicht, aber ich bin guter Dinge, dass man da irgendwas reißen kann. Falls zufällig jemand aus Hamburg über meinen Blog stolpert und diesen Post liest – ich bin für Ideen und Vorschläge offen.
Jetzt bin ich ziemlich abgeschweift, vielleicht sollte ich die persönlichen Erkenntnisse in ein gesondertes Posting packen. Abtippen muss ich diesen ganzen Text hier ja auch noch, auf dem Papier bringt er euch nicht viel.
Ja, ich denke, das ist eine gute Idee. So verschaffe ich mir noch etwas Zeit, und ihr habt jetzt auch erstmal genug zum Lesen bekommen. Außerdem sollte ich zur Abwechslung vielleicht auch mal wieder ein bisschen im Unterricht aufpassen ;o)


